
Gattung Alocasia
- Indien bis Ostaustralien
- Elefantenohren und Zimmer-Alocasien
- Robust bis anspruchsvoll
Überblick
Was Alocasia ausmacht
Halt ein Alocasia-Blatt gegen das Licht und folge den Adern. Bei vielen Arten laufen sie hell und kräftig von der Mittelrippe zum Rand und zeichnen das Blatt, noch bevor du seine Farbe wahrnimmst. Genau dieses Muster hat die Gattung zur Sammlerpflanze gemacht. Heinrich Wilhelm Schott führte sie 1832 noch als Abschnitt der Gattung Colocasia, George Don erhob sie 1839 zur eigenen Gattung. Im Deutschen heißt sie Pfeilblatt, im Handel oft auch Elefantenohr.
Wie viele Arten dazugehören, beantwortet der Markt mit runden Zahlen zwischen 70 und 80. Wir nennen eine Zahl mit Quelle und Datum: 92 akzeptierte Arten nach der World Checklist of Vascular Plants, Stand 4. Juni 2026. Die Lücke ist kein Zählfehler, sondern laufende Forschung. Allein auf Borneo sind seit 2007 mehrere Arten neu beschrieben worden, und dort warten nach der Fachliteratur mindestens zehn weitere auf ihre Beschreibung.
Für die Pflege zählt weniger die einzelne Art als die Gruppe, zu der sie gehört. Die großen Elefantenohren wie odora und macrorrhizos sind robuste Kübelpflanzen, die Kälte und Sonne ein Stück weit verzeihen. Die meisten anderen, hier kurz Zimmer-Alocasien, stammen aus immerfeuchten Tropenwäldern und wollen das ganze Jahr warm stehen, darunter fast alle Sammlerarten und die kleinen Juwel-Alocasien wie reginula und baginda. Die Zahlenwerte der einzelnen Art stehen jeweils auf ihrer Artenseite.
Pflege
So pflegst du Alocasia
Licht und Standort
Alocasien wollen hell stehen, aber nicht in der prallen Mittagssonne. Ein Ost- oder Westfenster passt für die meisten, ein Südfenster nur mit Abstand oder Vorhang. Zu dunkel erkennst du an langen, dünnen Stielen, die sich zum Fenster legen.
Die beiden Gruppen unterscheiden sich hier deutlich. Die großen Elefantenohren vertragen an einem geschützten Platz auch Morgen- und Abendsonne. Viele Juwel-Alocasien wachsen in der Natur dagegen im tiefen Schatten, Alocasia reginula etwa an beschatteten Kalkfelsen, und ihr Blatt verbrennt in voller Sonne schnell.
Im Winter wird in der Wohnung meist das Licht knapp, nicht die Wärme. Dann darf die Pflanze näher ans Fenster rücken, eine Vollspektrum-Lampe hilft zusätzlich. Fehlt das Licht, wirft eine Alocasia Blätter ab, mehr dazu im Nachgeprüft-Block.
Gießen und Substrat
Gegossen wird, wenn die obere Schicht des Substrats abgetrocknet ist, dann aber durchdringend, und der Überschuss muss aus dem Übertopf. Alocasien wollen gleichmäßig leicht feucht stehen, nie nass. Das Rhizom, der verdickte Spross unter der Erde, speichert Wasser und fault in dauernasser Erde, lange bevor die Blätter etwas zeigen.
Bei den Juwel-Alocasien ist das noch wichtiger. Mehrere von ihnen wachsen in der Natur nur auf Kalkfelsen, wo Wasser sofort abläuft. Für sie heißt das: kleiner Topf, besonders luftiges Substrat, und lieber einmal zu früh abgetrocknet als zu lange nass.
Beim Substrat zählt die Struktur, nicht die Marke. Bewährt ist eine luftige Mischung aus Rinde, Perlit oder Bims und einem kleineren erdigen Anteil. Ob sie taugt, prüfst du am Gießwasser: Es sollte zügig durchlaufen, und die Oberfläche sollte nach zwei bis drei Tagen antrocknen.
Im Winter wird seltener gegossen, weil die Pflanze bei weniger Licht weniger verbraucht. Ein festes Intervall gibt es nicht, die Fingerprobe in der oberen Schicht gilt das ganze Jahr.
Luftfeuchte und Klima
Bei der Temperatur passt für die Zimmer-Alocasien normale Wohnraumwärme das ganze Jahr. Gefährlicher als ein fehlender Grad ist, was nachts am Fenster passiert: kalte Zugluft vom gekippten Fenster oder eine Scheibe, die auskühlt, während das Blatt daran lehnt.
Wie tief es werden darf, hängt an der Art, nicht an der Gattung. Die großen Elefantenohren vertragen deutlich mehr Kühle als die Sammlerarten aus Borneo. Warum die verbreiteten Faustregeln dazu nicht zusammenpassen, steht im Nachgeprüft-Block.
Luftfeuchte ist bei Alocasien vor allem eine Frage der Schädlinge, denn Spinnmilben vermehren sich in trockener Heizungsluft am schnellsten. Wirksam sind ein Luftbefeuchter, für die Juwel-Alocasien eine Vitrine, oder schlicht mehr Abstand zur Heizung. Besprühen hebt die Raumluft nur für Minuten an.
Im Sommer dürfen die großen Elefantenohren nach draußen, an einen hellen, windgeschützten Platz, und kommen wieder herein, bevor die Nächte kühl werden. Die Zimmer-Alocasien bleiben besser drinnen.
Düngen und Umtopfen
Alocasien wachsen in der Saison schnell und schieben ein Blatt nach dem anderen. Regelmäßig schwach zu düngen bringt mehr als selten stark, etwa die halbe Herstellerdosis alle zwei Wochen, solange neue Blätter kommen. Die großen Elefantenohren sind dabei hungriger als die Juwel-Alocasien.
Nie auf trockenes Substrat düngen. Trifft Nährlösung auf trockene Wurzeln, verbrennen die feinen Spitzen, also erst mit klarem Wasser anfeuchten, dann düngen.
Im Winter wird reduziert oder ausgesetzt, solange die Pflanze ohne Zusatzlicht steht und kaum neue Blätter bildet. Was sie nicht aufnimmt, bleibt als Salz im Topf.
Umgetopft wird im Frühjahr, wenn Wurzeln unten herauswachsen oder das Substrat zerfallen ist, und nur eine Nummer größer. Das Rhizom kommt wieder so tief in den Topf, wie es vorher saß. Dabei findest du oft kleine Brutknollen, aus denen sich neue Pflanzen ziehen lassen.
Die Werte für die einzelne Art - Licht, Wasser, Luftfeuchte, Substrat - stehen im Steckbrief der jeweiligen Artenseite. Hier steht, wie es gemacht wird.
Nachwuchs
Vermehrung und Blüte
Alocasien werden nicht über Stecklinge vermehrt, sondern über das, was unter der Erde sitzt. Viele Arten bilden am Rhizom kleine Brutknollen mit harter Schale, die du meist erst beim Umtopfen entdeckst.
Die Knolle legst du mit der hellen Spitze nach oben auf feuchtes Sphagnum, also Torfmoos, oder auf Perlit, hell und warm, am besten unter einer durchsichtigen Haube. Bis sich Wurzel und erstes Blatt zeigen, vergehen oft Wochen, manchmal Monate.
Wachsen aus einem Rhizom mehrere Triebe, kannst du sie beim Umtopfen teilen. Jedes Teilstück braucht eigene Wurzeln, und das Werkzeug wird vorher desinfiziert.
Die Blüte ist wie bei allen Aronstabgewächsen ein Kolben, der Spadix, in einem Hochblatt, der Spatha. Unten sitzen die weiblichen, darüber die männlichen Blüten, und bei den untersuchten Arten sind die weiblichen zuerst reif. Eine einzelne Pflanze bestäubt sich deshalb kaum selbst: In Versuchen an Alocasia odora brachte Selbstbestäubung keine einzige Frucht.
In der Natur bestäuben winzige Fliegen der Gattung Colocasiomyia, die ihre Eier im Blütenstand ablegen und dort aufwachsen. Bei Alocasia odora heizt sich der Kolben dabei auf und lenkt die Fliegen durch den Blütenstand.
Wenn es hakt
Typische Probleme
Was bei Alocasien schiefgeht, ist fast immer eine Folge von Licht, Wasser oder Wärme und selten Pech.
Der wichtigste Schädling sind Spinnmilben. Sie zeigen sich als feine helle Sprenkel und zarte Gespinste, zuerst auf der Blattunterseite und vor allem bei trockener Heizungsluft. Dreh die Blätter regelmäßig um, von oben siehst du sie zu spät.
Das ernsteste Problem ist Fäulnis am Rhizom. Sie kündigt sich an, wenn der Ballen tagelang nass bleibt, Stiele am Ansatz weich werden und neue Blätter ausbleiben. Gesundes Rhizom ist beim Austopfen fest, faules weich und dunkel.
Nicht jedes gelbe Blatt ist ein Fehler. Alocasien tragen nur wenige Blätter gleichzeitig, und kommt oben ein neues, wird oft das älteste gelb. Wassertropfen an den Blattspitzen sind ebenfalls normal: Über diese Guttation gibt die Pflanze überschüssiges Wasser ab, und häufen sie sich, steht die Erde eher zu nass.
Alle Pflanzenteile enthalten Calciumoxalat-Kristalle und reizen Haut und Schleimhäute. Stell sie außer Reichweite von Kindern und Haustieren und wasch dir nach dem Schneiden die Hände.
Wo sie herkommen
Herkunft und Lebensraum
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung reicht von Indien, Nepal und Sri Lanka über Indochina, Südchina und Taiwan bis Südjapan und durch das Malaiische Archipel bis Neuguinea, zu den Salomonen und nach Ostaustralien. Alocasia ist eine asiatisch-australische Gattung: In Amerika und Afrika wächst keine Art von Natur aus.
Der Schwerpunkt liegt im immerfeuchten Gürtel um den Äquator. Für Borneo allein zählte eine Revision 2020 bereits 24 beschriebene Arten und mindestens zehn weitere, die noch auf ihre Beschreibung warten. Nach unserer Auswertung der Verbreitungsdaten kommen 64 der 92 Arten ausschließlich in immerfeucht-äquatorialen Gebieten vor, nur 12 erreichen ein Gebiet mit kühlem Winter.
Für die Zimmerkultur heißt das: Die allermeisten Alocasien kommen aus einem Klima ohne Jahreszeiten, mit gleichmäßiger Wärme und Feuchte, und sie wachsen dort am Waldboden, oft im tiefen Schatten. Was daraus für den Winter folgt, steht im nächsten Abschnitt.
Verbreitungsangabe nach Plants of the World Online (Kew).
Nachgeprüft
Was im Handel widersprüchlich ist
Drei Dinge werden über Alocasien so oft wiederholt, dass sie kaum noch jemand prüft. Wir haben es getan.
Erstens der Winter. In den vorderen Suchergebnissen stehen zwei Anleitungen nebeneinander: Die eine rät, die Knolle im Herbst frostfrei einzulagern oder die Pflanze bei 15 bis 18 Grad zu überwintern, die andere, eine Alocasia nie unter 15 oder sogar 18 Grad zu stellen.
Beide haben recht, nur nicht für dieselben Pflanzen. Die Knollen-Anleitung stammt aus der Gartenkultur der großen Elefantenohren wie odora und macrorrhizos. Odora reicht von Natur aus bis Südchina, Taiwan und Südjapan und verträgt kurz leichten Frost. Der Großteil der Gattung stammt dagegen, wie oben unter Herkunft gezählt, aus immerfeucht-äquatorialen Gebieten ohne Winter, darunter die Juwel-Alocasien aus Borneo.
Wirft eine solche Alocasia im Winter Blätter ab, ist das keine Ruhephase, sondern ein Zeichen, dass ihr Licht oder Wärme fehlt. Selbst Ratgeber, die von Winterruhe sprechen, nennen wenig Licht und Kühle als Auslöser. Ein Elefantenohr darf also kühler stehen und einziehen, eine Juwel-Alocasia bleibt warm, hell und leicht feucht. Die Zahl gehört zur Art und steht auf der jeweiligen Artenseite.
Zweitens Alocasia amazonica. Der Name klingt nach einer Art aus dem Amazonas und ist beides nicht: Keine Alocasia wächst von Natur aus in Amerika, und die Pflanze ist eine Kreuzung aus sanderiana und longiloba. Den Namen gab ihr in den 1950er Jahren Salvadore Mauro nach seiner Gärtnerei in Florida, der Amazon Nursery. 'Polly' und 'Bambino' sind kompakte Formen dieser Kreuzung, keine eigenen Arten.
Drittens der Name Elefantenohr. Er steht im Handel auch für die verwandte Gattung Colocasia und sogar für die südafrikanische Zwiebelpflanze Haemanthus albiflos. Eine Faustregel hilft: Alocasien halten ihre Blätter meist schräg nach oben und glänzend, Colocasien lassen die Spitze hängen und wirken matter. Sicher ist nur eine Richtung: Tief gebuchtete oder fiederlappige Blätter gibt es nur bei Alocasia, Colocasia-Blätter sind immer ganzrandig.
Grundlage
Worauf diese Angaben beruhen
- Artenzahl, Namen und Verbreitung: World Checklist of Vascular Plants, Kew, Datenstand 4. Juni 2026. Die Zahlen 92, 64 und 12 sind eine eigene Auswertung dieses Datensatzes: akzeptierte Arten, eingeteilt nach ihren natürlichen Verbreitungsgebieten.
- Gattungsname: G. Don 1839 in Sweet, Hortus Britannicus, nach Schotts Abschnitt von Colocasia (1832).
- Borneo und Kalkfelsen: Wong und Boyce, Webbia 2020. Lebensraum und Abgrenzung zu Colocasia: CATE Araceae.
- Winterangaben: eigene SERP-Auswertung vom 18. Oktober 2026 und Botanischer Garten der Universität Wien; Knollenlagerung: University of Illinois Extension.
- Alocasia amazonica: NParks Singapur und Aroidpedia. Bestäubung und Wärmebildung: Feldstudien an Alocasia macrorrhizos und Alocasia odora, 2012 bis 2024.
- Pflegeangaben gelten für die Zimmerhaltung und beruhen auf übereinstimmenden Kulturangaben mehrerer Spezialgärtnereien.
Einordnung Die Quellen widersprechen sich in Teilen - siehe Abschnitt Nachgeprüft