Mehrere Anthurien in weißen Töpfen vor hellgrünem Hintergrund: ein großes dunkelgrünes, herzförmiges Blatt mit hellen Adern, daneben schmale, lange Blätter und ein kleineres dunkles Blatt am rechten Rand

Gattung Anthurium

  • Tropisches Amerika
  • Zimmerkultur bis Vitrine
  • Mittel bis anspruchsvoll
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Überblick

Was Anthurium ausmacht

Anthurien sind tropische Blattpflanzen aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Anthurium ist die artenreichste Gattung dieser Familie - wie viele Arten es genau sind, ist offen: die botanische Literatur nennt rund 950, andere Quellen etwa 1.000. Die Gattung wird bis heute laufend revidiert, und aus abgelegenen Tälern der Anden kommen weiter Neubeschreibungen. Beschrieben wurde sie 1829 von Heinrich Wilhelm Schott; ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Mexiko bis ins tropische Südamerika und schließt die Karibik ein.

Für den Kauf zählt vor allem eine Zweiteilung, die im Handel selten benannt wird. Die Blühanthurien - die Flamingoblume aus dem Gartencenter - werden wegen ihres farbigen Hochblatts gezogen. Die Blattanthurien werden wegen des Blattes kultiviert; ihre Blüte ist unscheinbar, das Ereignis ist die Blattstruktur. Fast alles, was Sammler an Anthurien suchen, gehört zur zweiten Gruppe: samtige, herzförmige Blätter mit hellem Adernetz, bullate Oberflächen wie geprägtes Leder, oder lange bandförmige Blätter.

Ein einheitliches Erkennungsmerkmal hat die Gattung nicht. Die meisten Arten wachsen kompakt mit kurzen Internodien, es gibt aber auch kletternde und kriechende Anthurien mit langen Rhizomen. In der Natur wachsen sie am Boden, auf Felsen oder auf Bäumen - und darin liegt der Grund, warum die Ansprüche innerhalb einer einzigen Gattung so weit auseinandergehen: eine Anthurie vom Waldboden und eine aus dem Kronendach brauchen nicht dasselbe.

Im Lexikon

Arten dieser Gattung

Pflege

So pflegst du Anthurium

Licht und Standort

Anthurien wollen hell stehen, aber ohne direkte Sonne auf den Blättern. Der praktische Test ist besser als jede Zahl: Wenn du von der Pflanze aus ein großes Stück Himmel siehst, ohne dass die Sonne direkt hereinfällt, passt der Platz. Ost- und Westfenster sind das Naheliegende, ein Südfenster nur mit Abstand oder Vorhang.

Zahlen helfen hier wenig, und das sollte man offen sagen: die Lux-Angaben der Anbieter reichen von 700 bis 15.000 für dieselbe Gattung. Ein Bereich, der um das Zwanzigfache auseinandergeht, ist keine Orientierung mehr.

Was dagegen zuverlässig funktioniert, ist das Ablesen an der Pflanze. Zu wenig Licht zeigt sich an kleinen, dünnen Blättern und langen, sparrigen Trieben. Zu viel Licht verbrennt vor allem samtige Blätter, oft in wenigen Stunden.

Ein Zusammenhang, den kaum jemand erwähnt: dunkler gestellt bilden viele Anthurien mehr Blattgrün und wirken satter - sie wachsen dann aber deutlich langsamer. Wer die dunklen Blätter will, zahlt sie mit Wachstum.

Bei Kunstlicht: Vollspektrum-Lampen, keine rot-blauen Pflanzenleuchten.

Gießen und Substrat

Anthurien haben im Verhältnis zu ihrer Blattmasse ein kleines Wurzelwerk. Der Topf darf deshalb knapp ausfallen - ein zu großer hält Wasser fest, das die Wurzeln nicht aufnehmen, und genau daraus entsteht Fäule.

Den richtigen Zeitpunkt findest du mit zwei Handgriffen. Erst zwei Zentimeter tief in das Substrat fühlen. Dann den Topf anheben, einmal vor und einmal nach dem Gießen - nach zwei, drei Durchgängen erkennt die Hand den Unterschied zuverlässiger als jeder Fingertest. Gegossen wird durchdringend, bis Wasser unten austritt; der Überschuss muss weg. Kalkarmes, zimmerwarmes Wasser.

Beim Substrat zählt die Struktur, nicht die Marke. Marktüblich ist eine luftige, rindenbetonte Mischung mit Perlit und einem kleineren erdigen Anteil. Ob sie taugt, prüfst du an zwei Dingen: Das Gießwasser sollte in zehn bis dreißig Sekunden durchlaufen, und die Oberfläche innerhalb von zwei bis drei Tagen antrocknen.

Ein Fehler, der selten benannt wird: Trockene Rinde nimmt kein Wasser mehr an. Das Wasser läuft dann am Ballen vorbei in den Übertopf, und die Pflanze steht trocken, obwohl du gegossen hast. Langsam in mehreren Gängen gießen oder den Topf tauchen.

Und: Schlaffe Blätter heißen nicht automatisch Durst. Zu viel Wasser sieht genauso aus. Erst fühlen, dann gießen.

Luftfeuchte und Klima

Blattanthurien wollen es feuchter als normale Wohnraumluft. Die Angaben im Markt reichen von 50 bis über 70 Prozent - unstrittig ist, dass es ab etwa 60 Prozent deutlich besser läuft, und dass Beständigkeit mehr zählt als der Spitzenwert.

Wichtiger als jede Zahl ist ein Hygrometer für zehn Euro. Ohne Messung deutet man Blattsymptome, und die täuschen: braune, trockene Blattränder und verformt aufgehende Blätter sehen nach zu trockener Luft aus, können aber genauso von Wurzelproblemen kommen.

Was nicht funktioniert, obwohl es überall empfohlen wird: Besprühen. Es befeuchtet die Blattoberfläche für ein paar Minuten und hebt die Raumluft nicht messbar an. Wirksam sind ein Luftbefeuchter, eine Vitrine - oder schlicht der Umzug weg von Heizung und Zugluft. Letzteres kostet nichts und bringt oft am meisten.

Eine Warnung, die im Pflanzenhandel selten steht: Dauerhaft hohe Luftfeuchte im Wohnraum begünstigt Schimmel, besonders in schlecht gedämmten Räumen. Deshalb gilt für die anspruchsvollen Arten die Vitrine als Lösung, nicht das feuchte Schlafzimmer.

Bei der Temperatur ist die Gattung entspannter, als die Zahlen vermuten lassen. Normale Wohnraumtemperatur passt; dauerhaft unter 15 Grad sollte es nicht werden. Die realen Probleme sind kalte Zugluft im Winter und trockene Heizungsluft direkt daneben - nicht der Grad mehr oder weniger.

Düngen und Umtopfen

Anthurien sind keine Starkzehrer. Regelmäßig schwach zu düngen bringt mehr als selten stark - bei den empfindlichen Blattarten reicht ein Viertel bis die Hälfte der Herstellerdosis.

Eine Regel, die fast nirgends steht und trotzdem entscheidend ist: niemals auf trockenes Substrat düngen. Trifft konzentrierte Nährlösung auf trockene Wurzeln, verbrennen die feinen Wurzelspitzen. Erst mit klarem Wasser anfeuchten, dann düngen.

Im Winter wird deutlich reduziert oder ganz ausgesetzt, solange die Pflanze ohne Zusatzlicht steht. Sie wächst dann kaum, und was sie nicht aufnimmt, bleibt als Salz im Topf. Aus demselben Grund lohnt es, das Substrat alle paar Monate mit reichlich klarem Wasser durchzuspülen - besonders in rindenbetonten Mischungen und in Semi-Hydro.

Beim Umtopfen wird meist der falsche Anlass genommen. Nicht die Topfgröße entscheidet, sondern der Zustand des Substrats. Rindenmischungen zerfallen mit der Zeit, verdichten sich und trocknen immer langsamer ab - genau dann steigt das Fäulnisrisiko, ganz unabhängig davon, wie voll der Topf durchwurzelt ist. In der Praxis heißt das alle zwei bis drei Jahre.

Der neue Topf wird nur eine Nummer größer gewählt. Substrat locker einfüllen, nicht andrücken, danach gründlich angießen, damit es sich um die Wurzeln setzt.

Die Werte für die einzelne Art - Licht, Wasser, Luftfeuchte, Substrat - stehen im Steckbrief der jeweiligen Artenseite. Hier steht, wie es gemacht wird.

Nachwuchs

Vermehrung und Blüte

Der verlässliche Weg ist die Teilung. Bildet eine Pflanze mehrere Kronen oder Kindel, lässt sie sich vorsichtig auseinanderziehen - entscheidend ist nur, dass jeder Teil eigene Wurzeln behält. Werkzeug vorher desinfizieren, danach etwas schattiger und gleichmäßig feucht halten, bis neue Blätter kommen.

Bei Stecklingen liegt ein Missverständnis, das viele Pflanzen kostet: Der lange grüne Stiel ist ein Blattstiel, kein Trieb. Ein einzeln abgeschnittenes Blatt wurzelt nicht, egal wie lange es im Glas steht. Bewurzeln lässt sich nur ein Abschnitt des eigentlichen Sprosses - des kurzen, dicken Teils direkt über dem Substrat - und der muss mindestens einen Knoten tragen.

Die Aussaat ist etwas für Geduldige und in der Wohnung meist gar nicht möglich. Die winzigen Einzelblüten am Kolben sind zeitversetzt geschlechtsreif: zuerst weiblich, Tage später männlich. Eine einzelne Pflanze bestäubt sich deshalb praktisch nie selbst. Kommt es doch zu Früchten, dauert ihre Reife rund ein halbes Jahr, die Samen keimen nur kurz nach der Ernte, und bis zur ersten eigenen Blüte vergehen Jahre.

Zur Blüte selbst: Was aussieht wie eine Blüte, sind zwei Teile - das farbige Hochblatt und der Kolben, auf dem die eigentlichen Blüten sitzen. Bei den Blattanthurien fällt beides unscheinbar aus, oft grünlich. Das ist kein Mangel, sondern die Regel: Diese Arten werden für das Blatt kultiviert, nicht für die Blüte.

Wenn du nicht vermehren willst, kannst du den Blütenstand entfernen, damit die Energie ins Blatt geht. Geschnitten wird mit einem sterilen Skalpell direkt unter dem Kolben - bewusst nicht am Ansatz. So bleibt genug Abstand zum Spross, die Schnittstelle bindet sauber ab, und der verbliebene Stiel wird nach einiger Zeit von selbst abgestoßen, so wie bei einer verblühten Blüte.

Wenn es hakt

Typische Probleme

Anthurien sind vergleichsweise wenig schädlingsanfällig. Was schiefgeht, ist fast immer eine Folge der Kulturbedingungen - nicht Pech.

Der zentrale Konflikt dieser Gattung: Dieselbe hohe Luftfeuchte, die Anthurien brauchen, ist auch das Wunschklima von Pilzen und Bakterien. Die Antwort darauf ist nicht weniger Feuchte, sondern Luftbewegung. Ein kleiner Ventilator auf niedrigster Stufe oder ein Platz, an dem die Luft nicht steht, verhindert mehr Blattkrankheiten als jedes Mittel. Aus demselben Grund sollten Blätter nie über Stunden nass bleiben - ein weiteres Argument gegen das Besprühen.

Das häufigste ernste Problem ist Wurzelfäule. Sie kündigt sich an, bevor man sie sieht: Der Ballen bleibt nach dem Gießen tagelang nass, Blätter werden gelb und weich statt trocken, und beim Umtopfen sind die Wurzeln braun und matschig statt fest und weiß.

Bei den Schädlingen sind zwei relevant. Thripse hinterlassen silbrig bis bronzefarben schimmernde Stellen, und neue Blätter kommen verformt heraus. Spinnmilben zeigen sich als helle Sprenkel und feine Netze, meist zuerst auf der Blattunterseite. Beide werden bei der Kontrolle übersehen, wenn man nur von oben schaut.

Wie die einzelnen Probleme behandelt werden, steht in den jeweiligen Artikeln.

Wo sie herkommen

Herkunft und Lebensraum

Karte des Verbreitungsgebiets: weite Teile Mittel- und Südamerikas hervorgehoben

Anthurien kommen ausschließlich in der Neuen Welt vor: von Mexiko über Mittelamerika und die Karibik bis nach Nordargentinien. Die Karte zeigt das Areal der Gattung, nicht das der einzelnen Art - viele Anthurien besiedeln nur eine Bergflanke oder ein einziges Tal.

Innerhalb dieses Gebiets besetzen sie sehr unterschiedliche Lagen, vom feuchten Tiefland bis in Nebelwälder oberhalb von 2.000 Metern, und drei verschiedene Wuchsorte: am Boden, auf Felsen und auf Bäumen.

Die aufsitzend wachsenden Arten haben dafür dicke Wurzeln mit einem schwammartigen Gewebe, das Wasser in kurzer Zeit aufnimmt. Sie sind auf kräftige, kurze Regengüsse eingerichtet und darauf, dass es danach wieder abtrocknet - nicht auf dauerfeuchte Erde. Einige nestförmig wachsende Arten stellen ihre Wurzeln sogar aufrecht, um herabfallendes Laub aufzufangen und selbst zu verwerten.

Für die Zimmerkultur folgt daraus zweierlei. Erstens ein luftiges Substrat, durch das Wasser zügig hindurchläuft, statt einer speichernden Erde. Zweitens Nährstoffe in kleinen, regelmäßigen Gaben - in der Natur kommen sie aus zersetzendem Laub, nicht aus einem gedüngten Boden.

Verbreitungsangabe nach Plants of the World Online (Kew).

Nachgeprüft

Was im Handel widersprüchlich ist

Anthurien werden fast überall als luftreinigende Pflanzen verkauft. Das geht auf eine NASA-Untersuchung von 1989 zurück, in der die Gattung tatsächlich vorkommt. Nur trägt sie dort Werte für Xylol, Toluol und Ammoniak - in den Spalten für Formaldehyd, Benzol und Trichlorethen steht bei ihr nichts. Ob dort nicht gemessen wurde oder nichts messbar war, ist aus der veröffentlichten Übersicht nicht zu erkennen. Sicher ist nur: Die Formaldehyd-Aussage, die im Handel am häufigsten steht, lässt sich mit dieser Quelle nicht belegen.

Wichtiger ist der Maßstab. Eine Übersichtsarbeit von 2020 hat 196 Einzelergebnisse aus zwölf Studien in eine vergleichbare Kennzahl umgerechnet. Ergebnis: Eine Topfpflanze schafft im Mittel 0,023 Kubikmeter gereinigte Luft pro Stunde. Um damit den normalen Luftaustausch eines Raumes zu erreichen, bräuchte man zwischen 10 und 1.000 Pflanzen pro Quadratmeter Bodenfläche. Der Grund für die alten Zahlen: Dort stand eine Pflanze in einer versiegelten Kammer von etwa einem Kubikmeter, in die eine einzelne Verbindung eingelassen wurde. Mit einer Wohnung hat das wenig zu tun.

Es gibt neuere Arbeiten, die Pflanzen wieder eine Wirkung zusprechen. Am Vergleich mit dem geöffneten Fenster ändern sie nichts.

Unsere Haltung: Kauf eine Anthurie, weil sie schön ist. Nicht, weil sie die Luft putzt. Lüften ist billiger.

Grundlage

Worauf diese Angaben beruhen

  • Verbreitungsgebiet und Gültigkeit des Gattungsnamens: Plants of the World Online, Royal Botanic Gardens Kew.
  • Erstbeschreibung 1829 durch Heinrich Wilhelm Schott: botanische Standardwerke zur Familie der Aronstabgewächse.
  • Artenzahl: Die Angaben schwanken zwischen rund 950 und etwa 1.000, je nach Quelle und Bearbeitungsstand. Eine abschließende Zahl gibt es nicht.
  • Luftreinigung: NASA-Bericht zur Innenraumbegrünung von 1989 und die Übersichtsarbeit von Cummings und Waring, Journal of Exposure Science and Environmental Epidemiology, 2020.
  • Pflegeverfahren: Fachliteratur zu Aronstabgewächsen sowie Kulturangaben mehrerer europäischer Spezialgärtnereien.
  • Das Entfernen des Blütenstands mit sterilem Schnitt unter dem Kolben stammt aus der eigenen Kulturpraxis im Laden.

Eintrag der Gattung bei Plants of the World Online, Kew

Einordnung Beruht überwiegend auf Fachliteratur